Mrz
19
2015

USV mit Windows-Bordmitteln betreiben

Kategorie: Windows allgemein   |  15 Kommentare


Wie kann ich eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV oder englisch UPS) mit Windows-Bordmitteln verwenden, sodass der Server beim Stromausfall automatisch heruntergefahren wird?

Diese Frage stellten wir uns während der Installation unserer DMS-Lösung vor Ort bei einem Kunden zusammen mit dem System-Administrator. Während der Installation stellten wir fest, dass der Server ausgelastet war, obwohl niemand mehr arbeitete.

Ausgangssituation

Der Server wird mit Windows 2012 R2 (später auch erfolgreich unter Windows 10 und Server 2016 getestet) betrieben und zur Ausfallabsicherung ist eine „APC Smart-UPS“ als unterbrechungsfreie Stromversorgung angeschlossen. Zum Lieferumfang gehört die Software PowerChute Business Edition, welche u. a. für die Überwachung der Stromversorgung und das Herunterverfahren des Servers bei einem Stromausfall zuständig ist. Folgendes haben wir festgestellt:

  • Der PowerChute-Dienst belegt durchgehend etwas Prozessorleistung (ca. 4 bis 5%) und verursacht Datenverkehr. In Foren ist zu lesen, dass ständig Daten für eine Energieverbrauchs-Statistik gesammelt werden.
  • Dazu kam, dass „Java (TM) Platform SE binary (32 bit)“ bis zu 60% Prozessorleistung verbrauchte und manuell beendet werden musste. (Nach der Deinstallation von PowerChute trat dies nicht mehr auf.)

Zurück zur Windows-Akkusteuerung

Windows erkennt eine per USB angeschlossene USV als Akku und kann ein Herunterfahren des Servers bei Stromausfall veranlassen. Im Prinzip wie bei einem Notebook, das bei einem fast leeren Akku das Betriebssystem herunterfährt oder in den Ruhemodus versetzt. Der Administrator hat sich entschlossen, die PowerChute-Software zu deinstallieren und Windows-Bordmittel zu verwenden. Vorgehen:

  1. Über Verwaltung | Dienste den PowerChute-Dienst beenden.
  2. Systemsteuerung | Programme und Features: PowerChute-Software deinstallieren.

Jetzt sollte Windows die USV wieder erkennen – tat es hier aber nicht. Auch ein Server-Neustart und der Wechsel des USB-Anschlusses halfen nicht. Vorgehen:

  1. Verwaltung | Geräte-Manager. Im Knoten „Akkus“ ist der Eintrag für die APC Smart UPS zu finden. Bitte mit der rechten Maustaste anklicken und im Popupmenü Eigenschaften wählen. Auf der Seite Treiber auf Vorheriger Treiber klicken.
  2. Der Windows-Treiber für die USV wird wieder verwendet, das Batterie-Trayicon eingeblendet und die erforderlichen Einstellungen in den Energieoptionen aktiviert.

Herunterfahren mit Windows-Energieoptionen konfigurieren

  1. Wählen Sie Energieoptionen in der Systemsteuerung und klicken Sie auf den Link Energiesparplaneinstellungen ändern hinter dem aktivierten Energiesparplan. Klick auf Erweiterte Energieeinstellungen ändern.
  2. Öffnen Sie den Knoten Akku. Die Aktion bei kritischer Akkukapazität bitte auf „Herunterfahren“ einstellen. Die kritische Akkukapazität bei Akkubetrieb ist standardmäßig sehr gering bei 5% eingestellt, was für Notebooks ok ist. Der Server mit USV sollte aber sehr schnell nach dem Stromausfall heruntergefahren werden, damit noch genügend Kapazität hierfür vorhanden ist. Stellen Sie beispielsweise 94% ein:
    Dialog "Energieoptionen"
  3. Vor einem Test sollten Sie sicherstellen, dass derzeit niemand am Server angemeldet ist und auch sonst kein Datenverlust auftreten kann.

 

15 Kommentare

  • Christoph sagt:

    Grandios! Vielen Dank für diesen Artikel!

    Nach der Deinstallation einer Defekten PowerChute hatte ich das Problem dass die Akku-Einstellungen verschwunden waren.
    Dank deinem Artikel sind sie jetzt wieder da! :)

  • Jo sagt:

    Danke für Deinen Artikel!
    Hat mir geholfen.
    Hab die Einstellungen nach deinstallation von dem PowerChute Schmarrn nicht mehr gefunden.

    Voriger Treiber wurde aber keiner angezeigt, da schon mehrere Installtionsversuche.
    Deswegen Treiber deinstallieren, USB USV Ab- und Anstecken, und der originale Treiber wird wieder automatisch installiert.

  • Florian Hamminger sagt:

    Danke, danke, danke!

  • Olaf Winkler sagt:

    Großartig. So lässt sich auch meine APC BX950U-GR mit Windows 7-Bordmitteln handhaben, die PowerChute-Software wird nicht mehr benötigt, und die BX950U-GR schaltet die Ausgänge nicht mehr aus, nachdem die Spannung wieder da ist.
    So wollte ich das haben.
    Vielen Dank.

  • Hajo sagt:

    Funktioniert das auch unter XP? Ich wüsste es gern, *bevor* ich die USV bestelle… Danke.

  • Stephan sagt:

    Klasse Beschreibung, nachdem diese unhandliche, sperrige, und letztlich unbrauchbare, weil nicht funktionierende PowerChute-Drecks-ware nichts als unendliche Stunden vergeblichen Probierens brachte, hab ich diese Anleitung gefunden, eingerichtet – und siehe da – es funktioniert! Leider verschicken die Win-Bordmittel keine Email, wenn der Server runter fährt, aber da finde ich auch noch ne Lösung für…. Danke fürs veröffentlichen!

  • Martin sagt:

    Hallo sbkrekeler,

    sehr, sehr brauchbar, auch noch unter Windows 10 !
    Danke !

  • Chris sagt:

    Hallo,
    gibt es irgendwie die Möglichkeit sich per E-Mail benachrichtigen zu lassen, wenn sich der Akkustand ändert?

  • mhsedv sagt:

    Hallo
    Bei unserem WS2016 Hyper-V Server werden die Gastsysteme bei einem USV Shutdown nicht „gespeichert“ oder „heruntergefahren“ sondern mit dem Host direkt ausgeschaltet.
    Die Integrationsdienste sind eingeschaltet und die Auto Stoppaktion auf „Speichern“.
    Die Akku Laufzeit „kritisch“ wurde auf 90% gesetzt (Erweiterte Einstellungen).
    Der Akku Treiber auf vorherige gesetzt. Das System fährt bei diesem Level korrekt herunter.
    Hat da jemand eine Idee – Danke im voraus.

    • sbkrekeler sagt:

      Haben Sie bei „Automatische Stoppaktion“ bereits „Gastbetriebssystem herunterfahren“ ausprobiert? Vorraussetzung dafür ist aber eine ausreichende Akku-Laufzeit.

      „Status des virtuellen Computerns speichern“ sollte aber eigentlich ok sein. Der RAM wird dann (sollte dann?) schnell auf die Festplatte des Servers gesichert und kann später in dem gespeicherten Zustand wiederhergestellt werden.

      • mhsedv sagt:

        Besten Dank für die rasche Antwort.
        Gastsystem herunterfahren hat ebenfalls nicht funktioniert (Test Ping auf Host und Gast wurden zur gleichen Zeit unterbrochen), zudem ist beim hochfahren die Meldung „unerwartetes Herunterfahren….“ angezeigt (nicht immer). Ebenso wird eine Kernel Ereignismeldung generiert (unerwartet Heruntergefahren)
        Die Akku Laufzeit liegt bei ca. 90Min (APC 750VA).
        Beim Hochfahren müsste man eigentlich im Hyper-V Manager die Statusmeldung „gespeichert“ sehen bis das Gastsystem (nach einer einstellbaren Verzögerung) hochfährt.
        Gibt es da evtl. einen Dienst der im Gast nicht korrekt gestartet wurde?
        Vielleicht gibt’s da noch ne gute Idee oder einen interessanten Ansatz.
        Gruss und besten Dank

  • Chris sagt:

    Powerchute ist echt ein Graus und ich bin froh, dass ich den Beitrag hier gefunden habe!
    Mit dem Problem, dass die VMs im Server 2012 R2 nicht richtig herunter gefahren wurden haben wir auch lange gekämpft. Anscheinend ist das erzwungende herunterfahren durch die Energieoptionen ein anderes herunterfahren als das manuelle über den Start Button! Wir nutzen nun ein PS Script für das USV Management. Das Script fährt die VMs bei einem vorgegebenen % Wert runter und sogar wieder hoch, falls die Spannung wieder kommt!
    Als letzten Schritt fahren die Windows Enegieroptionen dann den Host herunter. Das Script schreibt sogar Eventlog Meldungen, was die Enegieoptionen auch nicht machen.
    https://community.spiceworks.com/scripts/show/3513-watch-all-ups

  • oliver sagt:

    Wenn ich bei unserem Server 2012 R2 die oben vorgeschlagenen Energieoptionen setze (Herunterfahren bei 95%), schaltet der Server, wenn ich der USV testweise den Strom abschalte, nach einigen Minuten „hart“ aus – statt geregelt herunterzufahren :-(

    Woran könnte das liegen, jemand eine Idee?

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